Übernachten oder heimfahren? Mehrtagestouren im Außendienst richtig planen
Von Manuel Ober · · Lesezeit etwa 4 Minuten
Die Frage, die sich jede Woche stellt
Wer ein großes Gebiet betreut, kennt den Moment: Der letzte Kunde des Tages liegt zwei Stunden von zu Hause entfernt, und morgen wären drei weitere fällig, alle in derselben Gegend. Heimfahren heißt vier Stunden Autobahn für nichts. Übernachten heißt Hotel, fremdes Bett, Familie nicht sehen.
Die Entscheidung wird meistens aus dem Bauch getroffen, am Nachmittag, wenn es zu spät ist, ein gutes Hotel zu finden. Dabei lässt sie sich am Freitag davor in fünf Minuten ausrechnen.
Die Rechnung in einer Zeile
Eine Übernachtung lohnt sich, wenn diese Rechnung aufgeht:
Heimfahrt heute + Anfahrt morgen > zwei Stunden, und in der Gegend liegen genug fällige Kunden für einen vollen zweiten Tag.
Beides muss stimmen. Zwei Stunden Fahrzeit allein sind kein Grund, wenn morgen in der Gegend nur ein Kunde wartet. Und fünf fällige Kunden sind kein Grund, wenn sie eine halbe Stunde von zu Hause liegen.
Was die zwei Stunden wert sind: Das ist ein ganzer Kundenbesuch samt Fahrt, jeden Tag der Tour. Bei einer Dreitagestour mit zwei Übernachtungen gewinnst du zwei Besuche, die sonst auf der Autobahn verloren gehen.
Die Gegend zuerst, dann die Nacht
Der Fehler, den fast alle machen: Erst das Hotel buchen, dann schauen, welche Kunden dazupassen. Richtig ist die umgekehrte Reihenfolge.
- Fällige Kunden auf der Karte anschauen. Wo liegen Nester, die weit von zu Hause und nah beieinander sind? Das sind die Kandidaten für eine Mehrtagestour.
- Zwei oder drei Tage bündeln. Tag 1 endet dort, wo Tag 2 beginnt. Die Übernachtung liegt zwischen dem letzten Kunden von heute und dem ersten von morgen, nicht in der Landeshauptstadt, weil man die kennt.
- Dann erst das Hotel. In der Nähe des ersten Kunden am nächsten Morgen. Zehn Minuten Anfahrt statt vierzig. So beginnt der Tag mit einem Besuch, nicht mit einer Fahrt.
Wie die Kundenliste auf die Karte kommt, damit du diese Nester überhaupt siehst, steht im Ratgeber Kundenliste aus Excel auf die Karte bringen.
Wie ein Zweitagestag aussieht
Tag 1: Früh weg, die lange Anfahrt einmal. Die weitesten Kunden zuerst, dann Richtung Übernachtungsort arbeiten. Der letzte Besuch darf später liegen als sonst, weil keine Heimfahrt wartet. Ein Termin um 17 Uhr ist an einem Übernachtungstag kein Problem.
Tag 2: Der erste Kunde liegt zehn Minuten vom Hotel. Von dort Richtung Heimat arbeiten, die Kunden entlang der Rückfahrt mitnehmen. Der letzte Besuch so, dass die Heimfahrt nicht in den Feierabendverkehr fällt.
Der Unterschied zu zwei einzelnen Tagen: zwei lange Anfahrten weniger, ein voller Vormittag mehr.
Die Fehler, die eine Nacht teurer machen als die Heimfahrt
Das Hotel am falschen Ort. Das bekannte Haus in der Stadt, 40 Minuten vom ersten Kunden. Dann fängt der zweite Tag doch mit einer Fahrt an, und die Nacht hat nichts gebracht.
Zu wenig Kunden für den zweiten Tag. Zwei Besuche am Vormittag und um elf Uhr die Heimfahrt. Dann wäre der Tag von zu Hause aus dasselbe gewesen.
Der Puffer fehlt. Sagt am Übernachtungstag ein Kunde ab, sind die anderen weiter weg als sonst. Ein Ersatzkunde in der Gegend, den man zur Not vorziehen kann, gehört in jede Mehrtagestour.
Die Familie erfährt es am Tag selbst. Eine Übernachtung, die am Freitag feststeht, ist eine Planung. Eine, die um 15 Uhr per Nachricht angekündigt wird, ist ein Streit.
Wie oft ist zu oft?
Das entscheidet nicht die Planung, das entscheiden du und die Menschen zu Hause. Was die Planung leisten kann: dass jede Übernachtung wirklich etwas bringt. Wer zweimal die Woche im Hotel schläft und beide Male am nächsten Tag drei Kunden schafft, hat weniger davon als wer einmal schläft und sechs schafft.
Ein einfacher Maßstab: Zähle am Ende des Monats die Übernachtungen und die Besuche an den Tagen danach. Liegt der Schnitt unter vier, war die Gegend zu dünn oder das Hotel falsch.
So macht es trakki
In trakki markierst du eine Übernachtung im Wochenplan, und die Tage davor und danach legen sich um sie herum: Tag 1 endet in der Nähe des Hotels, Tag 2 beginnt dort. Die Karte zeigt die ganze Mehrtagestour als Linie, mit echten Straßenzeiten je Strecke. Fällt ein Kunde aus, rechnet sich der Rest neu, auch am Übernachtungstag.
Mehr dazu im Ratgeber Tourenplanung im Außendienst und auf der Startseite.
Häufige Fragen
Ab welcher Entfernung von zu Hause lohnt sich die Übernachtung?
Nicht die Entfernung entscheidet, sondern die Summe aus Heimfahrt und Anfahrt am nächsten Tag. Ab zwei Stunden lohnt es sich meistens, ab drei fast immer, vorausgesetzt, es gibt genug Kunden für den zweiten Tag.
Wer zahlt das Hotel?
Das regelt dein Dienstvertrag oder die Reisekostenrichtlinie deiner Firma. In den meisten Außendienstverträgen ist die Übernachtung bei Entfernungen ab einer bestimmten Grenze vorgesehen. Was die Planung leisten kann: den Nachweis, dass die Nacht Fahrzeit gespart hat.
Was ist mit Dreitagestouren?
Dasselbe Prinzip, zwei Übernachtungen. Wichtig ist, dass die Route eine Schleife ist: weit weg beginnen, entlang des Rückwegs arbeiten. Eine Dreitagestour, die am Ende noch drei Stunden Heimfahrt hat, war schlecht gelegt.